Maritim 2019

Traditionelle Hafenromantik zum Advent

Quelle: Weser-Kurier – Anke Bayer-Thiemig – 1.12.2019

Der Brinkumer Shantychor sorgte auch dieses Jahr in Varrel für maritim-weihnachtliche Stimmung. Das Konzert gehört inzwischen für so manchen Konzertbesucher fest zum vorweihnachtlichen Programm.

Der Shanty-Chor Brinkum unterhielt unter Leitung von Saskia Becker die Zuhörer blendend.

Der Shanty-Chor Brinkum unterhielt unter Leitung von Saskia Becker die Zuhörer blendend. (Vasil Dinev)

Stuhr-Varrel. Klingende Glöckchen und vielleicht weiße Weihnachten, das sind die Zutaten weihnachtlichen Liedguts. Stehen jedoch die Sänger eines Shanty-Chores auf der Bühne, gesellen sich neben den weihnachtlichen Begebenheiten auf hoher See auch Shantys und Seemannslieder dazu. Zu einer gelungenen Seereise, dem sogenannten 32. Maritim 2019, war der Shanty-Chor Brinkum unter Leitung von Saskia Becker mit vielen Besuchern an Bord in der Gutsscheune Varrel in See gestochen – übrigens eine längst lieb gewonnene Tradition. „Das Konzert des Shanty-Chores gehört für mich im Advent unbedingt dazu“, stand für eine Zuhörerin fest, die sich auf unterhaltsame Stunden freute.

Sowohl am Sonnabend als auch am Sonntag zogen etliche Zuhörer in die festlich geschmückte Scheune – erneut unter dem Motto: „Lieder von der Waterkant und Weihnachtliches“. Schon vor Beginn lagen Spannung und Vorfreude auf ein maritim-adventliches Konzert in der Luft, schnell schwappte die Gute-Laune-Welle auf die Zugereisten über.

Nur zu gerne luden die Herren ihre Passagiere auf einen musikalischen Törn in festliche Klanggewässer ein und öffneten die Seemannskiste mit vielen bekannten aber auch einigen unbekannten Liedern. Stimmungsvolle Shantys und weihnachtliche Lieder, beides wurde wunderbar miteinander verschmolzen. Begleitet wurden die singenden Seeleute durch die Bordkapelle, die aus Renate Koch und Christiane Menzel (Akkordeon), Heinz Meyer (Gitarre), Carlo Papen (Bass), Otto Kelka (Mundharmonika und Maracas) und Karl-Heinz Heinken (Bongos) bestand.

Oper inklusive

„Wir fahren übers weite Meer“ weckten die Sehnsucht, entweder nach langer Fahrt über die Meere wieder nach Hause zu kommen oder sich von Fernweh überwältigen zu lassen. Mit dem „Jonny, sing dein Lied noch mal“ luden die Elbseglerträger zum Schunkeln ein, boten den Besuchern mit ihren verschiedenen Medleys Zeit zum Mitsingen. „Die kleine Kneipe“ oder „Hoor je het ruisen der golven“ ließen die Stimmung auf den Siedepunkt kochen. Erstmals sangen die Männer vom vorbeiziehenden „Wolgaschlepper“, „Acht Glasen“ und „Siebzehn Mann auf des toten Manns Kiste“. Das „Lied der Seeräuberjenny“ aus der Dreigroschenoper, jenes berühmte Lied vom Spülmädchen, das von einem Seeräuberschiff mit acht Segeln und fünfzig Kanonen an Bord träumt, das kommen wird, um sie aus ihrem elenden Dasein zu befreien, wurde von der Chorleiterin Saskia Becker beeindruckend vorgetragen. Die 26-Jährige, die seit einem Jahr das Steuer in der Hand hat, macht derzeit ihren Master in Operngesang in Bremen. Sie betonte und schwärmte zuvor, dass sie mit dem Chor „menschlich gut zusammenpasst“.  

Das vielseitige Angebot an Musikalischem gefiel den Gästen. Die Moderation und heitere kleine Erzählungen von Rolf Becker, Vorsitzender des Shantychores, die Begrüßung durch die stellvertretende Bürgermeisterin Kristine Helmerichs sowie die Weihnachtsgeschichte, vorgelesen von Dieter Klinker, schafften zudem einen stimmungsvollen Rahmen.

Für Gänsehaut sorgte im mittleren Teil der schwungvolle Beitrag des Harmonika-Orchesters Brinkum der Bremer Handörgler unter der Leitung von Renate Koch sowie der zweite Teil der Seebären mit ausgesuchten Weihnachtsliedern. Schon das erste Lied „Weihnacht, Weihnacht“ ging direkt in Herz. Stimmgewaltig entführten die Sänger und Musiker heraus aus dem Alltag, direkt in die schönste Zeit des Jahres.

Die Akteure entfachten die Sehnsucht nach Weihnachten im Kreise vertrauter Menschen und der Familie, und sie sangen von den Gefühlen der Seeleute, die zum Fest der Liebe auf den Weltmeeren unterwegs waren. Besonders beim „Ave Maria der Meere“ eroberte der Chor die Herzen der Zuhörer. So manch ein Besucher, darunter etliche Angehörige aus anderen Chören sowie Ehrenmitglied Cord Bockhop, konnte schon frühzeitig mit einstimmen. Es war so ein stimmungsvolles Wochenende und ein herzliches Miteinander. Die Zuhörer waren schlichtweg begeistert von der Sangeskunst und würdigten das außergewöhnlich stimmungsvolle Konzert durch lang anhaltenden Applaus.